Samstag, 18. August 2012

Halbzeit

Etwa die Hälfte meiner Reisezeit liegt nun hinter mir und gleichzeitig markiert dies auch das Ende des Kanada-Teils.

Da ich auf dem Alaska-Abschnitt wetterbedingt etwas schneller unterwegs war, bin ich ca. 2 Wochen dem groben Zeitraster voraus. Im Nachhinein hätte ich mir also damals etwas mehr Zeit lassen können und ein paar Schlechtwetter-Pausen einlegen können, aber das ist bei einer nicht durchgeplanten Reise schwer abzuschätzen.

Wenn ich den bisherigen Verlauf Revue passieren lasse, bin ich sehr zufrieden:
Ich habe mir keine Verletzungen zugezogen, ich bin nicht krank geworden, mein Auto läuft Spitze und ohne Reparaturen (nicht mal einen neuen Reifen brauchte ich bisher), mir wurde nichts gestohlen und ich habe nichts verloren, meine Kamera hält durch und macht super Bilder, und ich habe im wesentlichen alles gesehen was ich anschauen wollte. Noch dazu scheint die Reise 10% günstiger zu werden, als kalkuliert (trotz des furchtbaren Wechselkurses).

Also bleibt mir nur zu wünschen, dass der zweite Abschnitt ebenso reibungslos verläuft :)

Um die 2 Wochen Puffer zu füllen, werde ich wohl einen kleinen Umweg/Schlenker durch Washington State machen. Die geschätzten 3000 Extrakilometer kann ich verschmerzen bei dem Spritverbrauch (in den USA kalkuliere ich mit 45€ pro 1000km).

Freitag, 17. August 2012

Waterton Lakes NP

Gott, dieser Park ist einfach unglaublich! Es ist so phatastisch schön hier, dass man seine Kamera in jede beliebige Richtung halten kann - Knopf drücken - Posterbild ...  Ich bin jetzt den dritten Tag hier und würd am liebsten gar nicht mehr weg :)

Der Park befindet sich ganz im Südwesten Albertas. Er bildet mit dem direkt im Süden angrenzenden Glacier NP auf USA-Seite eine Einheit. Das besondere am kanadischen Parkteil ist, dass hier die Prärie (in der Tat fährt man erstmal ne Stunde durch Farmland auf dem Weg dorthin) direkt an die Rockies stösst - eben noch plattes Weideland und 5km weiter ein 3000er. Dazu kommen die zahllosen größeren und kleineren Seen - einfach herrlich.

15.8.12:
Am ersten Tag bin ich nachmittags auf den Bears Hump - ein kleiner 250m Anstieg zu einem tollen Panoramablick über den Ort und den länglichen Upper Waterton Lake. Sensationell im Abendlicht!















16.8.12:
Am zweiten Tag bin ich zum Cameron Lake gefahren. Himmel, war das kalt! Mir sind beim Fotografieren im Morgenlicht um halb acht fast die Finger abgefroren. Es war wohl Frost, denn überall war Raureif. Der Lohn waren aber tolle Aufnahmen vom See im Morgennebel. Unglaublich idyllische Stimmung so früh ... toll.

Schließlich habe ich mich um halb neun auf den Weg zum 300m höher gelegenen Summit Lake gemacht. Auch dieser See wirkt im Morgenlicht magisch schön. Eigentlich sollte es das für den Vormittag gewesen sein ... doch da war ein Schild "Carthew Summit:  3,6km", das mich ermuntert hat, mal zu schauen, ob dieser Gipfel einigermaßen einfach zu erreichen ist. Also bin ich los und immer weiter und da der Weg zu angenehm konstant angestiegen ist, bin ich tatsächlich nochmal 400m höher bis zum "Gipfel" (eigentlich ein Pass).

Der Weg ist genial schön ... langsam werden die Bäume immer kleiner, schließlich wandert man über Wiesen und am Ende Geröll und hat stets einen atemberaubenden Blick auf das Tal. Saftig grün unten und mehrere Bergseen vor einer grandiosen Bergkulisse. Von ganz oben sieht es so aus, als hätte ein Titan ein paar Löcher in die Berge gehauen und mit Wasser gefüllt, so steil steigen die Berge um die Seen auf. Es ist einfach phänomenal - man kann stundenlang da oben sitzen ... ich habe ja immer ein Buch dabei ;)

Aber auch von der Hauptstraße im Tal bieten sich wirklich tolle Eindrücke. Dann noch der Red Rock Canyon, der gern als Freibad genutzt wird, sieht ebenfalls toll aus.
Schließlich bietet auch Albertas engeblich schönstes Haus ein gutes Fotomotiv hinter dem See.

























17.8.12:
Am dritten Tag bin ich wieder ganz früh morgens um 7:45h auf Wanderschaft gegangen - zum einen ist es um die Zeit noch kühl (eher kalt), die Sonne knallt noch nicht so und man hat noch viel Schatten. Zum anderen ist auch das Licht und die Stimmung morgens was ganz besonderes.

Diesmal ging es auf dem Rowe Lakes Trail rauf bis zur Lineham Ridge. Zunächst durch (schön schattigen) Wald, dann ein paar hundert Meter durch offenen Busch. In diesem Bereich habe ich dann sogar 3 "Bighorn" Schafe gesehen (kA wie die auf deutsch heißen), die dort in Ruhe frassen, nur 15m entfernt. Dann wieder in den Wald und schließlich auf eine große Wiesenfläche mit einem herrlichen Gebirgsbach und einem beeindruckenden Blick auf die umliegenden Berghänge. Das erinnerte mich sehr an die "Cirques" auf La Reunion. 500m hohe Felsmassive 270 Grad um einen herum ... und auf einen davon bin ich dann rauf ;)
Von oben blickt man dann ins Tal auf der anderen Seite: 4-5 Seen umrahmt von der nächsten Gebirgskette bilden einen tollen Eindruck. 2 Stunden habe ich dort oben mich gesonnt, fotogafiert, gelesen, ... erst dann kamen die ersten anderen Wanderer und ich habe mich auf den 900m Abstieg gemacht.

Es gibt auch zahlreiche Möglichkeiten für schöne Mehrtages-Touren. Ein Outdoor-Geschäft im Dorf bietet Shuttle-Services an.





















Also, dieser Park ist ein absolutes Muss für jeden Rockies-Tourist! Schöner gehts nimmer ... hier zu leben muss genial sein :)

Dienstag, 14. August 2012

Kananaskis Country

Ich habe diesen Tag mal unter dem Begriff Kananaskis zusammengefasst. Das ist eine Region südöstlich vom Banff NP, die zahllose Provinzparks beeinhaltet - z.B. Bow Valley PP, Spray Valley PP, Peter Lougheed PP, ...

Ich bin von Canmore die Routen 742 (Spray Lakes Trail), 40 (Kananaskis Trail), 940 (Forest Trunk Road) gefahren. Der größte Teil davon ist Schotter, aber meist in sehr gutem Zustand.

Das Wetter war etwas durchwachsen, da mir ständig eine Schlechtwetterzone im Nacken saß und mir nachzog. Dennoch konnte ich etliche Sonnenstunden rauskitzeln.

Die Strecke ist wirklich super. Als mein Reiseführer sagte, sie sei teilweise besser als der so hoch gelobte Icefields Parkway, war ich skeptisch. Jedoch: Wunderschöne Berglandschaft, zahllose gut ausgeschilderte Wandermöglichkeiten, besonderes die vielen Seen (meist Stauseen) schaffen eine tolle Szenerie. Und das Beste: man hat das alles fast für sich allein, da kaum jmd die Schotterstrecken fährt.

Es hat großen Spaß gemacht und bei Sonnenschein ist die Gegend absolut empfehlenswert!






Montag, 13. August 2012

Banff NP (um Banff)

Zum Abschluss der Nationalparks schließlich die Gegend um Banff selber.

Ich habe mir zunächst auf der kurzen Marsh Loop die Feuchtgebiete angeschaut und nachmittags auch noch die Vermillion Lakes. Ist mal was anderes als nur Berge und sehr schön anzusehen. Nebenbei hab ich mir auch noch was zuverdient und einen 5$ Schein gefunden :)

Meine längere Wanderung mit dem Aufstieg zum Cory Pass habe ich auf halber Höhe (ca. 450m) abgebrochen, da die Sicht sehr diesig und für später Regen angesagt war. (Aus meiner Sicht) leider wurde der Nachmittag dann aber doch sehr schön und es ist aufgeklart. Stattdessen habe ich mir den Johnston Canyon angeschaut, obwohl dieser (da Hauptattraktion) maßlos überfüllt war.

Zwischen Banff und Lake Louise verläuft übrigens neben dem TCH (Hwy 1) auch eine Nebenstrecke - nämlich der alte Highway 1a. Dieser ist sehr viel ruhiger als der TCH und somit zu bevorzugen.

So, eigentlich bin ich ganz froh, dass ich jetzt hoffentlich aus dem Trubel raus bin. In Touristen-Orten im Stau zu stehen und ne halbe Stunde einen Parkplatz an Sehenswürdigkeiten zu suchen, sind nicht so mein Ding. Schöne Gegend, aber endlich bin ich fertig damit.





Sonntag, 12. August 2012

Calgary

Heute habe ich mich auf den Weg nach Calgary gemacht (welches übrigens nicht die Hauptstadt von Alberta ist, sondern Edmonton), hauptsächlich um einen USA-Reiseführer zu kaufen.

... Radio an mit Country/Rock/Oldies-Mix (habe ja mangels Empfang seid fast 2 Monaten keine Musik gehört), den Hwy 1A als schöne Nebenroute zum TCH gewählt (hatte die Straße fast für mich allein) .... was für ein Spaß :)) Ich liiieebe Musik :) Das hat mir echt gefehlt.

Aufpassen muss man trotzdem - Wildtiere sind überall. In diesem Fall eine kleine Gruppe Pferde mitten auf der Straße und später ist tatsächlich ein Fuchs über die Straße gehuscht und übers Feld gesprintet. Leider zu schnell für meine Kamera. Das war erst der zweite Fuchs den ich hier gesehen habe.

Gut, dass heute Sonntag ist, so muss ich wenigstens kein Vermögen an Parkgebühren zahlen - außerdem ist die Innenstadt von Calgary zu Geschäftszeiten sonst Auto-frei! Überhaupt ist Kanada da sehr modern: der Müll wird getrennt, Einkaufstüten kosten 5 cent extra, etc.

Malls (also Einkaufscentren) kennt man ja aus USA und auch bei uns - aber Calgary setzt hier ganz neue Maßstäbe. Da kommen Assoziationen zu Metropolen aus Science-Fiction-Filmen ... die Gebäude meherer Straßenblöcke (ca. 5 mal 3 Blöcke) sind untereinander oberirdisch durch Füßgängerbrücken zu einem riesigen Komplex verbunden. Also von außen auf der Straße stehen ganz "normale" Hochhäuser. In der 2. Etage jedoch gibt es jeweils abgeschlossene Füßüberwege zu den Nachbargebäuden (sowas kennt man ja z.B. von Karstadt in D'dorf, aber hier sind zig Gebäude so vernetzt).

Dadurch hat man innen eine zusammenhängende Mall über 4 Stockwerke und Dutzende Gebäude. Die Fußgänger gehen also gar nicht mehr auf der Straße, sondern auf einer eigenene Ebene. Die Straßen führen quasi unten durch diesen Komplex hindurch. Das Ganze ist mit einer Glasbogen-Kuppel überdacht, sodass man nach oben raus die Hochhäuser von Downtown sieht. Wie gesagt: Metropolis. Nur über die Kuppel fliegende Autos konnte ich (bisher) noch nicht entdecken ;)

Drinnen gibts neben Geschäften z.B. auch ein großes Fischbecken und eine Art botanischen Garten ... schon imposant.

Aber aus meinem Karibik-Urlaub wird wohl nichts. So günstig ist das von hier aus auch nicht - mal eben für ein paar hundert Euro rüber geht leider nicht :(




Samstag, 11. August 2012

Banff NP (Lake Louise)

Lake Louise ist ein sehr zentral gelegener Ort im Park-Komplex der Rockies. Nicht nur führt der TCH dort direkt entlang, sondern Straßenkreuzungen zum Yoho NP, Kootenay NP, nach Banff selber im Süden und auch nach Jasper im Norden auf dem Icefields Parkway sind in unmittelbarer Nähe.

Ferner sind exzellente Naherholungsgebiete wie der gleichnamige Lake Louise und Lake Moraine ebenfalls in kürzester Zeit mit dem Auto zu erreichen. Kaum verwunderlich, dass die Gegend sehr touristisch überlaufen ist. Am Wochenende sind nicht nur die hunderte Parkplätze an den Seen komplett belegt, sondern die Autos parken noch über 500-600m Stoßstange an Stoßstange die Straße entlang!

Sollte man der glückliche Gewinner eines Parkplatzes sein, kann man sehr schön wandern (an beiden Seegebieten). Gerade der Lake Moraine ist sehr schön, wandern darf man aber ins Umland nur in 4er Gruppen wegen Bärengefahr. Ich habe mich hier also mit dem Lakeshore Trail entlang des Ufers begnügt ...

Man kann natürlich auch eines dieser Plastik-Kanus mieten - für schlappe 40€ die Stunde!!!





Freitag, 10. August 2012

Yoho NP (Teil 2)

Ich muss schon sagen, mit meinen Wanderungen habe ich ein glückliches Händchen. Außer 2 Mal leichten Regen bei Kurzwanderungen war immer alles super.

Auch diesmal: perfektes Wetter - Sonnenschein mit gelegentlichen Wölkchen, die immer mal wieder für ein paar Minuten angenehmen Schatten gesorgt haben. Dabei herrliche kühle Höhenluft mit einer leichten Brise dazu - einfach perfekt zum Wandern :)

9.8.12:
Und das habe ich auch getan: Am ersten Tag ging es 700m bergauf auf dem Iceline Trail, zunächst im Schatten spendenden Wald, später dann auf steinigem Terrain über der Baumlinie bis auf 2230m. Ich konnte beim Aufstieg ständig die Takakkaw Wasserfälle hinter mir beobachten und habe mir viel Zeit gelassen, da ich nur 12km Strecke vor mir hatte. Es ist wirklich toll, so langsam zu gehen, da man jeden Augenblick genießen kann.

Zunächst dachte ich noch "warum tue ich mir das immer wieder an, mich hunderte von Metern mit Gepäck Berge hoch zu quälen?". Aber sobald man oben ist, sieht man die Antwort. Noch vor dem Gipfel führt der Weg durch tolles Terrain: nach dem Wald zunächst der subapline Bewuchs (kleine Bäumchen, Sträucher, Wildblumen), dann an/über kleine Schmelzwasserbäche des Gletschers, sowie zugehörige kleinere klare leuchtende Bergseen, und schließlich der Emerald Gletscher selber (an den man knapp unterhalb vorbei läuft).

Ich sage Euch: jeder Schritt sensationell und interessant. Und je höher man kommt desto mehr sieht man von den umliegenden Bergen und kann in die grün-leuchtenden Täler blicken - herrliche Farbkompositionen: blauer Himmel, weiße Wolken, graue Berge, braune Berge, türkise Seen, weiße Schneefelder, hellgrüne Wiesen, dunkelgrüne Wälder ... man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Das kann kein Foto wirklich abbilden.

Nach einem tollen Tag bin ich abends um 18:30h am Zeltplatz angekommen. Trotz 2055m Höhe war die Nacht gar nicht mal kalt und ich habe einigermaßen schlafen können. Aber die Nächte (und die Verpflegung) sind der unangenehmere Teil des Wanderns. Wirklich bequem und gemütlich ist es nicht und das Essen auch keine Delikatesse. Mehr als 3 Tage würde ich so ein Fras auch nicht mehr aushalten - ich hätte schon am zweiten Tag für ein Steak oder Hamburger töten können ...
























10.8.12:
Frisch am nächsten Morgen um kurz vor 9 das Lager verlassen und auf die 2. Etappe: zunächst 200m runter und dann nochmal 400m rauf, bevor es endgültig 600m runter ins Tal ging. Dieser Whaleback Trail ist ebenfalls großartig. Auch hier hat man am Gipfel einen tollen Panorama-Blick und kann auch den Yoho Gletscher und die pyramidenförmige Spitze des gleichnamigen Bergs sehen.

Doch was ich nicht wußte: der Trail führt auch direkt oben an den Twin Falls Wasserfällen vorbei. Der Blick ist im wahrsten Sinne atemberaubend und mir ist fast schwindelig geworden die ersten Sekunden. Auf hunderten Metern Breite geht es bestimmt 200-300m tief senkrecht runter. Neben einem der tosende Wasserfall des Yoho River, ein Regenbogen im Sturzwasser-Spray und unten sieht man den Fluss sich weiterschlängeln. Das kann man kaum beschreiben und auch kaum fotografieren - aber das ist echt der Hammer. Gewaltig! (siehe Video unten)

Später sieht man das ganze dann aus der Perspektive von unten. Von dort geht es dann gemütlich durch den Wald am Fluss entlang zum Zeltplatz direkt an den Laughing Falls Wasserfällen. Im Abendlicht sieht die Landschaft ganz besonders toll aus ... ich habe hunderte Bilder gemacht, die ich jetzt erst mal sichten muss ...
























Am letzten Tag bin ich nur 4km zum Parkplatz raus gewandert - nichts besonderes mehr hier. Dennoch: eine tolle Wanderung!



Yoho hat außerdem noch das Lake O'Hara Gebiet zu bieten. Doch dieses kann man nur über ein teuren und Tage wenn nicht Wochen im Voraus ausgebuchten Shuttle-Bus erreichen (oder man muss die 11km hinwandern). Aber schöner als im Yoho Valley kann es da auch nicht sein ;)

Weitere Gebiete im Yoho Park habe ich hier am 1.8.12 beschrieben.