Freitag, 15. November 2013
Richtung Puyo im Oriente
Heute habe ich einen Fahrradausflug von Baños Richtung Puyo gemacht. Die Straße geht fast nur bergab und man merkt, wie man dem Amazonasbecken mit jedem Kilometer näher kommt. Es wird stetig wärmer und feuchter. Eine empfehlenswerte Tour für nur 5-7$. Unterwegs kann man auch an mehreren Stellen sog. "Canopy" machen und unter einem Seil aufgehängt über eine Schlucht rutschen - bis zu 1km lang!
Es wird einem übrigens gesagt, dass man mit einem Bus leicht zurückkommt. Allerdings hab ich keinen Bus gesehen, der ein Fahrrad mitnehmen könnte und alle Busse die ich angewunken habe, sind auch einfach durchgefahren. Erfolgversprechender sind diverse Pickup-Trucks die die Route zurück nach Baños fahren. Sollte nur wenige Minuten dauern, bis man ein passendes Fahrzeug findet. Anschließend 1-2 Dollar Trinkgeld geben und alles ist gut ;)
Donnerstag, 14. November 2013
Politik in Ecuador
In der Sprachschule erfahre ich unheimlich viel über die
Geschichte, Kultur und Politik Ecuadors. Mein Lehrer erzählt täglich stundenlang
– zuerst war ich etwas enttäuscht, dass wir keine neue Grammatik oder Übungen machen,
aber inzwischen zahlt sich das aus: mein Hörverständnis hat sich nochmals
deutlich verbessert. Ich verstehe deutlich über 90% was er sagt auf Anhieb, nur
einige Wörter müssen manchmal erklärt werden. Und das obwohl das Tempo zwar
nicht schnell aber auch nicht speziell langsam ist. Aber nun zu Ecuador:
Zunächst habe ich die ecuatorianische Sicht der Dollarisierung im Jahr 2000 erfahren. Bisher hielt ich diese für die Lösung der wirtschaftlichen Probleme und der Inflation Ende der 90er. Doch Marcelo hat mir erzählt, dass im Zuge der Währungsreform der Umtauschkurs von Sucre auf Dollar nur gut 20% des vorherigen Wertes war. Somit haben die Leute fast 80% ihres Ersparten verloren. Ebenso durfte 1 Jahr lang kein Guthaben von den Banken abgehoben werden. Somit verfügten die Leute über kein Geld um Dinge zu kaufen, worunter die gesamte Wirtschaft natürlich gelitten hat. Viele lokale kleine Banken sind bankrott gegangen – wer Pech hatte und sein Geld dort angelegt hatte, hat alles verloren. Die ausländischen Großunternehmen hingegen haben 2 Tage Vorwarnzeit bekommen und konnten den größten Teil ihres Geldes vorher außer Landes schaffen. Es war eine harte Zeit und viele hegen den Wunsch in Zukunft wieder eine eigene Währung zu haben. Der Präsident, der die Währungsumstellung zu verantworten hatte, wurde übrigens aus dem Land gejagt.
Die Präsidenten teilen übrigens ein gemeinsames Schicksal: vor dem aktuellen Präsidenten Correa hat es in den Jahrzenten davor kein Präsident geschafft, eine Amtsperiode zu Ende zu führen. Correa ist inzwischen in seiner dritten Periode. Lange konnte ich nicht verstehen, warum er trotzdem so unbeliebt ist. Fast jeder mit dem ich sprach, sagte mir „ja er hat viel Gutes getan, aber eigentlich mögen wir ihn nicht“.
Zunächst habe ich die ecuatorianische Sicht der Dollarisierung im Jahr 2000 erfahren. Bisher hielt ich diese für die Lösung der wirtschaftlichen Probleme und der Inflation Ende der 90er. Doch Marcelo hat mir erzählt, dass im Zuge der Währungsreform der Umtauschkurs von Sucre auf Dollar nur gut 20% des vorherigen Wertes war. Somit haben die Leute fast 80% ihres Ersparten verloren. Ebenso durfte 1 Jahr lang kein Guthaben von den Banken abgehoben werden. Somit verfügten die Leute über kein Geld um Dinge zu kaufen, worunter die gesamte Wirtschaft natürlich gelitten hat. Viele lokale kleine Banken sind bankrott gegangen – wer Pech hatte und sein Geld dort angelegt hatte, hat alles verloren. Die ausländischen Großunternehmen hingegen haben 2 Tage Vorwarnzeit bekommen und konnten den größten Teil ihres Geldes vorher außer Landes schaffen. Es war eine harte Zeit und viele hegen den Wunsch in Zukunft wieder eine eigene Währung zu haben. Der Präsident, der die Währungsumstellung zu verantworten hatte, wurde übrigens aus dem Land gejagt.
Die Präsidenten teilen übrigens ein gemeinsames Schicksal: vor dem aktuellen Präsidenten Correa hat es in den Jahrzenten davor kein Präsident geschafft, eine Amtsperiode zu Ende zu führen. Correa ist inzwischen in seiner dritten Periode. Lange konnte ich nicht verstehen, warum er trotzdem so unbeliebt ist. Fast jeder mit dem ich sprach, sagte mir „ja er hat viel Gutes getan, aber eigentlich mögen wir ihn nicht“.
Denn die Verbesserungen im Land sind – gemessen an
europäischen Politikern – überwältigend: Der Straßenbau wurde massiv voran
getrieben. Es gibt mehr Straßenverbindungen als früher und sie sind in sehr
gutem Zustand. Die Infrastruktur Ecuadors ist bedeutend besser als im
südamerikanischen Ausland.
Ferner wurde das Bildungssystem revolutioniert. Früher
hatten die meisten Lehrer 3 oder sogar 4 Jobs und rotierten täglich zwischen
mehreren Schulen, da auch die Schulzeiten sich über den ganzen Tag verteilen
konnten. Die Schulbücher waren aus den 60ern. Heute ist Schule immer
vormittags, die Regierung bestimmt, zu welcher Schule ein Schüler geht und auch
an welcher Schule ein Lehrer arbeitet. Gleichzeitig wurde das Gehalt
verbessert. Schulbücher wurden neu angeschafft und sind heute umsonst. Ein
gravierender Nachteil jedoch ist, dass es Eignungstests fürs Studium gibt, die nicht
nur entscheiden, ob man studieren darf, sondern auch WAS! Wenn der Fragebogen
ergibt, dass man Lehrer werden sollte, dann MUSS man Lehramt studieren. Nur
wenn man an eine private Hochschule geht (welche natürlich teuer ist) kann man
frei wählen. Das sorgt natürlich für extremen Verdruss bei den Leuten. Der
Beruf des Lehrers wurde jedoch stark aufgewertet und ist heute einer der
bestbezahltesten im Land.
Weitere Reformen wurden bei der Polizei vergenommen: Früher verdienten
Polizisten sehr wenig und haben sich durch Korruption ihr Gehalt aufgebessert
(z.B. willkürliche Verkehrsstrafen). Correa hat das Mindestgehalt von $380 auf
$800 mehr als verdoppelt, dafür aber einige Privilegien gestrichen. Dies führte
übrigens 2010 zu einer beängstigenden Eskalation. Weil viele in der Polizei
ungebildet waren, etliche sogar nicht einmal lesen konnten, glaubten sie
Gerüchten der Opposition, dass sie vom Präsidenten mit dem neuen Gesetz
übervorteilt würden, und als dieser sich zu einer Kundgebung bei ihnen befand,
wurde er von der Polizei als Geisel genommen. Erst eine militärisch
Eingreiftruppe konnte ihn später gewaltsam befreien. Bei diesem Ereignis,
welches heute als 30-S „treinta-Esse“ (30.September) bekannt ist, starben 5 Personen.
Letztendlich wurde das Gesetz verabschiedet und die Aufnahmebedingungen für Polizisten
extrem verschärft (und 250 korrupte entlassen), sodass die Polizei heute
wesentlich professioneller ist.
Weitere Änderungen betrafen das Gesundheitssystem: viele
Dienstleistungen besonders für Arme sind heute umsonst – selbst Operationen von
mehreren 1000 Dollar müssen nicht bezahlt werden, Medikamente sind frei.
Das Geld für all das (denn in Ecuador beträgt die Steuer nur
12%) kommt daher, dass die Steuer heute wesentlich stringenter eingetrieben wird
– und zwar besonders von den Reichen und Großunternehmen. Viele internationale
Konzerne haben früher eine doppelte Buchführung betrieben und einen speziellen
Report für Steuerzwecke erstellt. Der sah natürlich immer so aus, dass kaum
Steuer fällig wurde. Dies hat die Regierung unter Correa geändert und viele
Unternehmen des Landes verwiesen (wie z.B. den Chevron Konzern, mit dem heute
noch gerichtliche Auseinandersetzungen über Milliardenzahlungen laufen).
Und schließlich noch eine Neuerung – interessant besonders
im Lichte der aktuellen Diskussion um Managergehälter: Als aller erstes Gesetz
(noch am Tag seiner Vereidigung) wurde ein Gesetz verabschiedet, welches
besagt, dass absolut niemand im Lande ein höheres Gehalt als der Präsident
verdienen darf. Das zweite Gesetz lautete: Das Präsidentengehalt wird ab sofort
halbiert und beträgt heute $4000 pro Monat. So was ist konsequent.
Was die Leute bei all diesen Verbesserungen jedoch
beunruhigt ist, dass die Macht des Präsidenten wächst und sie diktatorische
Verhältnisse befürchten. Der Einfluss der Regierung auf die Medien ist sehr
stark (Erinnerungen an Italien werden wach). Es gab Vorkommnisse von
Medienschließungen bei „unpassender“ Berichterstattung. Und jeder Radio- und
Fernsehsender ist verpflichtet jeden Samstag eine Ansprache des Präsidenten zu
übertragen. Viele erwarten auch eine Verfassungsänderung, die eine bisher
ausgeschlossene vierte Amtszeit ermöglicht.
Interessant ist auch, dass Ecuador unter Correa den USA die
Stirn geboten hat. Sie haben ja Julian Assange die Staatsbürgerschaft gewährt
(beinahe auch Snowden) und sogar den amerikanischen Botschafter des Landes
verwiesen.
Eigentlich wollte ich auch noch was zur Geschichte
geschrieben haben, aber ich will den Artikel nicht überstrapazieren ;)
Dienstag, 12. November 2013
Baños
Ich bin nun seit einigen Tagen in Baños, einen kleineren 20.000 Einwohner Dorf etwa 170km südlich von Quito. Dort kommt man recht einfach mit dem Bus hin - kostet nur $3,50 und dauert 3-3,5 Stunden. Allerdings gibt es noch eine bessere Verbindung, falls man direkt vom Flughafen in Quito nach Baños möchte (oder umgekehrt): die Buslinie "Expreso Baños" fährt für $4 zwischen Ibarra (nördl. von Quito) nach Baños und durchquert dabei den Ort Pifo, der nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt ist. Er macht dort auch einige Zeit Pause, sodass man den eigentlich nicht verpassen kann. Zwischen Pifo und Flughafen nimmt man dann ein Taxi für wenige Dollar. Dürfte insgesamt nur 4,5h dauern. Durch den Verkehr in Quito und 2x umsteigen dauert mind. 7-8h und ist überfüllt (Probleme mit Gepäck etc).
Es ist ein recht bekanntes Touristen-Nest, jedoch ist im Moment Nebensaison, deshalb sind nur wenige Touristen hier. Zum Glück ist der Oktober schon rum, denn dann ist hier jeden Tag Parade, Feuerwerk und Remidemmi. Berühmt ist der Ort eigentlich für seine Thermalbäder, außerdem gibt es einen aktiven Vulkan (Tungurahua) direkt nebenan. Hauptsaison sei hier zwischen Juni und August, sagte man mir - komischerweise sei dies auch die schlechteste Reisezeit, da dann Regensaison ist ...
Baños liegt nur auf 1800m, aber viel wärmer als in Quito ist es trotzdem nicht. Morgens regnet es eigentlich immer, aber im Verlauf des Vormittags hört es dann auf und nachmittags ist es meist sonnig oder nur mäßig bewölkt. Eigentlich ganz passabel. In der Sprachschule sagte man mir aber, dass es zu anderen Jahreszeiten eher "europäisch" regnet, also Nieselregen den ganzen Tag. In Quito ist es eher 1-2 Stunden Platzregen am Nachmittag, aber dann ist auch Ende.
Ich habe Baños gewählt, weil es hier Wandermöglichkeiten in unmittelbarer Nähe gibt. Und tatsächlich: der Ort liegt praktisch vollkommen umgeben von (niedrigen) Bergen. In allen Richtungen gibt es Wege, die auch ziemlich gut ausgeschildert sind. Also für eine Woche hat man hier genug zu wandern ohne einen Bus zu benötigen.
Ferner kann man Fahrräder mieten und die Straße Richtung Puyo (in den Dschungel im Oriente) fahren. Und schließlich gibt es noch Tages- oder Mehrtages-Ausflüge in den Dschungel. Einen solchen versuche ich am Wochenende zu machen.
Freitag, 8. November 2013
Spanisch nach 2 Wochen
Nach inzwischen fast 2 Wochen zeigen sich erste Erfolge.
Meine anfängliche Sprachblockade löst sich etwas und es gelingt mir mehr und
mehr auch kompliziertere Sachverhalte irgendwie in Worte zu fassen. Es beginnt
das Denken in Spanisch ohne Zuhilfenahme von Deutsch. Es ist erst ein zartes
Pflänzchen aber es beginnen einige Mauern langsam zu fallen. Am meisten hat sich noch mein Hörverständnis verbessert. Und selbst Zeitung lesen geht bei vielen Artikeln schon ganz passabel.
Auch die theoretischen Grundlagen sind schon recht weit fortgeschritten. Inzwischen geht es schon um so Feinheiten wie die Wahl der korrekten Vergangenheitsform, indirekte Rede, Imperativ etc. Ich bin inzwischen doch recht guter Dinge, dass ich nach den 3,5 Wochen ein akzeptables Niveau erreicht haben werde. Es geht halt nicht über Nacht. 1-2 Monate muss man da schon ansetzen.
Sehr schön fand ich auch so Kleinigkeiten wie als mich ein Schulkind angesprochen hat und ich tatsächlich ein paar Sätze austauschen konnte. Oder als ich an der Bushaltestelle die Verkäuferin nach den Busverbindungen fragen konnte. Das ist es was ich meinte: Man fühlt sich gleich irgendwie zugehörig und nicht als Ausländer, der als Fremder nichts versteht oder nur eine den Leuten selbst fremde Sprache spricht. Für mich ist das Sprechen der Sprache einfach eine Grundvoraussetzung fürs Reisen im Land.
Auch die theoretischen Grundlagen sind schon recht weit fortgeschritten. Inzwischen geht es schon um so Feinheiten wie die Wahl der korrekten Vergangenheitsform, indirekte Rede, Imperativ etc. Ich bin inzwischen doch recht guter Dinge, dass ich nach den 3,5 Wochen ein akzeptables Niveau erreicht haben werde. Es geht halt nicht über Nacht. 1-2 Monate muss man da schon ansetzen.
Sehr schön fand ich auch so Kleinigkeiten wie als mich ein Schulkind angesprochen hat und ich tatsächlich ein paar Sätze austauschen konnte. Oder als ich an der Bushaltestelle die Verkäuferin nach den Busverbindungen fragen konnte. Das ist es was ich meinte: Man fühlt sich gleich irgendwie zugehörig und nicht als Ausländer, der als Fremder nichts versteht oder nur eine den Leuten selbst fremde Sprache spricht. Für mich ist das Sprechen der Sprache einfach eine Grundvoraussetzung fürs Reisen im Land.
Dienstag, 5. November 2013
Leute
Die Leute in Ecuador sind sehr freundlich. Sei es meine herzliche Gastfamilie, meine geduldige Spanisch-Lehrerin, oder Bedienungen; bisher waren alle sehr zuvorkommend. Besonders von der Spanisch-Lehrerin und der Familie erfahre ich auch eine ganze Menge über das soziale Leben.
Als meine Lehrerin jung war, gab es in ihrem Dorf noch
keinen Strom. Sie fährt jeden Tag jeweils 1,5h hin und zurück zur Arbeit. Es
ist normal, dass Kinder ihre Eltern siezen, erst neuerdings gerät das aus der
Mode. In der Schule tragen alle Schüler eine Uniform, damit die sozialen
Unterschiede nicht erkennbar sind.
Letzte Woche gab eine Feier (Día de los Muertos – Tag der
Toten), in der weite Teile der Familie zusammenkommen; es wird gebacken,
gegessen und erzählt. Bei uns waren bestimmt ein Dutzend Gäste. Die Eingeborenen
feiern dieses Fest oft auf dem Friedhof und essen dort zusammen mit den
Verstorbenen.
Seit ein paar Tagen geht es der Mutter meiner Gastmutter immer schlechter, die seit 9 Tagen im Krankenhaus liegt. Es sieht so aus als wenn sie in den nächsten Tagen sterben wird. Verständlicherweise ist die Familie daher oft sehr traurig. Es kommen manchmal Verwandte und man weint zusammen im privaten, dennoch sind alle anschließend wieder fröhlich in der "Öffentlichkeit". Es sind, scheint mir, emontionalere Menschen als wir. Bemerkenswert ist zudem der Umgang mit dem Tod. Da es der 87jährigen immer schlechter geht, werden sich alle Familienmitglieder morgen treffen und wohl entscheiden, ob sie die Geräte abstellen lassen. Ein solches humanes Vorgehen, über welches bei uns jahre- und wohl jahrzehntelang diskutiert und unter Strafe gestellt wird, scheint hier ganz selbstverständlich.
Seit ein paar Tagen geht es der Mutter meiner Gastmutter immer schlechter, die seit 9 Tagen im Krankenhaus liegt. Es sieht so aus als wenn sie in den nächsten Tagen sterben wird. Verständlicherweise ist die Familie daher oft sehr traurig. Es kommen manchmal Verwandte und man weint zusammen im privaten, dennoch sind alle anschließend wieder fröhlich in der "Öffentlichkeit". Es sind, scheint mir, emontionalere Menschen als wir. Bemerkenswert ist zudem der Umgang mit dem Tod. Da es der 87jährigen immer schlechter geht, werden sich alle Familienmitglieder morgen treffen und wohl entscheiden, ob sie die Geräte abstellen lassen. Ein solches humanes Vorgehen, über welches bei uns jahre- und wohl jahrzehntelang diskutiert und unter Strafe gestellt wird, scheint hier ganz selbstverständlich.
Montag, 4. November 2013
Ausflüge um Quito
Am Wochenende habe ich 2 Ausflüge gemacht – am Samstag auf den „Hausberg“ von Quito und am Sonntag zu einem Kratersee nach Quilotoa. Beides sehr extrem anstrengend.
Zum Hausberg fährt eine Seilbahn (Teleférico) auf ca. 4100m
von wo aus man auf einem anfangs mäßig später sehr steilen Weg bis zum Gipfel
auf ca. 4700m wandern kann. Ich habe den Aufstieg versucht und musste erst nur
50m unter dem Gipfel abbrechen. Allein dahin zu kommen war höllisch schwer. In
dieser Höhe fehlen bereits 45% von Druck und Sauerstoff, es dürften dort etwa
550 hPa herrschen. Jeder Höhenmeter muss erkämpft werden und mehr als 3-5
Höhenmeter am Stück schafft man gar nicht, dann ist wieder Luftholen angesagt.
Die Sicht war OK, wenig Wolken aber recht diesig. Trotzdem
konnte man einen Eindruck von oben auf das Hochtal bekommen und die dichte
Bebauung bestaunen, in der etwa 2,5 Mio Menschen leben.
Und mit dieser Tour habe ich nach dem Mauna Kea (Hawaii,
4200m) hier einen neuen Höhenrekord mit 4650m aufgestellt. Man kann auch Touren
auf den Chimborazo buchen und auf 5900m klettern. Aber nach meinen Erfahrungen
im 4000er Bereich muss das echt nicht sein.
Am Sonntag ging es zum Kratersee Quilutoa. Schon die
Hinfahrt dauerte 3,5h, durch einen Stau auf dem Rückweg waren es dann insgesamt
gut 8h Fahrtzeit für knapp 2h wandern. Grausam. Den See selber fand ich auch
wenig bis gar nicht spektakulär. War halt ein See in karger Landschaft.
Das ist auch insgesamt mein Eindruck bisher: Die Landschaft
in diesem Teil der Anden ist recht karg und trocken. Nicht wüstenartig aber
eben auch so gut wie gar nicht „frisch“. Wenig Wald, trockenes grün-braun.
Wenig variationsreich. Weiter südlich (Peru etc) soll es noch trockener sein,
in Kolumbien hingegen deutlich waldreicher. Das deckt sich auch mit
Satellitenbildern von Südamerika.
Natürlich habe ich bisher erst einen winzigen Teil des
Landes gesehen – Costa und Oriente kenne ich noch gar nicht. Dennoch bin ich
bisher wenig begeistert – wenn ich an meine Erfahrungen in Australien und
besonders in Nordamerika zurückdenke, war dort das landschaftliche Paradies.
Die letzten 1,5 Wochen werde ich
in Baños verbringen, etwa 100km weiter südlich. Von dort kann man Ausflüge in
den Regenwald im Oriente machen. Mal schauen, ob mir das besser gefällt. Doch
schon jetzt bezweifle ich, dass ich im Januar nach Ecuador zurückkehre, sondern
wahrscheinlich eher nach Costa Rica.
Freitag, 1. November 2013
Sprachliche Fortschritte
Die erste Woche Unterricht ist nun vorüber und die Dinge haben sich schon deutlich gebessert. Nach etwa 4-5 Tagen bin ich nun erstmals wirklich hier angekommen. Während ich die ersten 3-4 Tage praktisch nur in der Schule und im Bett verbracht habe, ist inzwischen alles nicht mehr so fremd und auch die Abgeschlagenheit ist verschwunden. Nun kann ich nachmittags auch mal ein wenig spazieren gehen in der Stadt und freue mich auf die Wochenendaktivitäten.
Mit der Sprache klappt es auch schon viel besser. Meine
Sprechfähigkeit ist zwar noch immer miserabel aber Konversationen kann ich
inzwischen gut folgen. Nachdem ich nun nicht mehr alles übersetzen muss, sondern
dem Inhalt direkt im Spanischen folgen kann, ist es auch wesentlich weniger
anstrengend. Spanisch wird langsam „normal“ für mich.
Dennoch werde ich meine Pläne nach jetzigem Stand ändern und
die vollen 3 ½ Wochen in Quito in der Sprachschule bleiben. Die Sprache hat
absolute Priorität – da muss ich Erkundungen und Rundreisen erstmal
zurückstellen. Ich fühle mich einfach nicht wohl in einem Land zu reisen,
dessen Sprache ich nicht fließend spreche.
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