Mittwoch, 12. November 2014
Garden Route: um Wilderness
Heute war ein sehr durchwachsener Tag – immer wieder Wolken und Regen. Zunächst hatte ich noch Glück und bin ein paar Kilometer durch schönen ruhigen Wald geschlendert [Big Tree] und genau als ich wieder am Auto ankam, fing es an zu Regnen.
Ich bin dann eine Panorama Route zum Groenvlei See in der Goukamma NR gefahren und habe mich auf den Weg entlang des Ufers gewagt. Doch wie ich es geahnt hatte, fing es nach einer halben Stunde wieder ordentlich an zu schütten. Da half auch mein Regencape kaum mehr was … etwas angefeuchtet kam ich am Auto wieder an.
Zurück im Hostel und nach ein paar Stunden abtrocknen, bin ich dann bei doch wieder recht ordentlichem Wetter den eigentlich geplanten Half-Collard Kingfisher Trail angegangen - und zwar über den kleinen Hügel Bosduif. Von dort hat man einen genialen Ausblick über den Mündungsbereich des Touw River. Sehr empfehlenswert! Erst kurz vor der Dämmerung konnte ich mich losreißen und bin am Fluss entlang zurück – wieder in plötzlich einsetzendem leichtem Regen.
Trotz des unvorteilhaften Wetters war es ein ereignisreicher Tag und ich empfand ihn nicht als „verloren“. Besonders der Kingfisher Trail entschädigte für einiges.
Den Ort Wilderness und besonders auch das "Adventure Lodge Backpackers" kann ich sehr empfehlen - beides ist ruhig und beschaulich und man kann - bei passendem Wetter - etliches unternehmen: von Kanufahrten bis zum Paragliding.
Dienstag, 11. November 2014
Wein, Weizen, Hügel
Der Weg bis Mossel Bay – dem Beginn der Garden Route – führt durch ewig hügeliges Land. Es geht beständig immer abwechselnd seicht 50m rauf und wieder 50m runter. Nahe Kapstadt herrscht noch Weinanbau vor, später dann eigentlich nur noch riesige Getreideflächen.
Gestern habe ich in Swellendam übernachtet und war deshalb heute morgen nur 5 Minuten vom Marloth NP entfernt. Deshalb habe ich dort eine kleine 2-3 Std Wanderung unternommen; anfangs noch unter Wolken, später wurde es dann noch richtig schön. Der Park bietet viel Fynbos aber auch ein paar Waldfetzen; kann man also durchaus mal rein, wenn man in der Nähe ist.
Meine Wanderung wurde etwas spannender als geplant, da ich aufgrund meines GPS-Gerätes aus einer Hin- und Zurück-Wanderung einen Kreis mit einem anderen Weg bilden wollte, der nur 200m entfernt verlief. Dazu musste ich nur einen kleinen Bach überqueren und dann einen kurzen Anstieg hinlegen. Im Grund war der Weg schon in Sichtweite. Die Querung verlief ohne Probleme, aber als ich nach 50m aus dem Wald herauskam [wie geplant] stand ich vor einer ungeplant steilen Klippe.
Das die laut Karte 10 Höhenmeter so steil sind, war dieser nicht zu entnehmen. Trotz der etwa 70 Grad Steigung habe ich die Klettertour probiert – aber nochmal mach ich sowas nicht. Ein bissl Bammel hatte ich auf halber Strecke schon – und an Umkehren war bei dem Gefälle nicht zu denken. Also: doch lieber auf den Wegen bleiben ;)
Ich bin dann anschließend bis zum Örtchen Wilderness durchgefahren. Hier beginnt der schönste Teil der Garden Route. Und tatsächlich: 5km vor Wilderness wird es auf einmal richtig waldig und gemütlich schön. Ein Aussichtspunkt [Dolphin Point] gibt einen herrlichen Blick auf den langgezogenen Ort und seinen Strand.
Jetzt muss nur noch das Wetter so toll bleiben wie heute und dann stehen mir ein paar fantastische Wandertage bevor … :)
Montag, 10. November 2014
Whale Coast
Um kurz nach 10 Uhr war der Stress dann vorbei und ich habe meine 14000 Rand in Cash von der First National Bank ausgehändigt bekommen. Nun konnte der entspannte Teil der Reise, abseits der großen Städte beginnen.
Und schon wenige Kilometer östlich von Kapstadt gab es grandiose Ausblicke über die sog. False Bay. Es war dabei den ganzen Tag so stürmisch, dass Wasser-Hosen aus Gischt über die See peitschten. Auch an Land wackelte der Wagen zeitweise ganz ordentlich und zwei Mal hat es mich beinahe umgeblasen. Dennoch hatte ich ein perfektes windgeschütztes Plätzchen zum Lesen gefunden.
Ich habe diesen Eintrag mal „Whale Coast“ genannt, auch wenn mir nicht bekannt ist, ob dieser Abschnitt offiziell so heisst. Jedoch gilt es als der weltbeste Platz für die Walbeobachtung von der Küste aus. Aufgrund der rauen See konnte ich aber nichts erkennen. Eine spontane kurze Wanderung durch das blühende Buschwerk nahe Hermanus hat jedoch entschädigt.
Bleibt man weiter an der Küste, kann man auf Schotterstraßen zum De Hoop NR. Ich bin aber wieder landeinwärts auf die Autobahn N2, da mein Hauptziel für die erste Woche ja die Garden Route ist.
Verkehr gibt es außerhalb der Großstädte eigentlich kaum. Und für das Überholen habe sich die Südafrikaner etwas cleveres einfallen lassen, was das Fahren sehr entspannt und angenehm macht: Kommt ein schnelleres Fahrzeug von hinten, so fährt man einfach kurz links auf dem Standstreifen weiter. Der Überholende bedankt sich dabei nett, indem er anschließend kurz den Warnblinker anmacht. Da sich selbst die Polizei auf diese Weise bei mir bedankt hat, scheint das auch wohl ein „offiziell“ anerkanntes Verfahren zu sein.
Polizei gibt es hier übrigens offenkundig sehr viel. Man begegnet ungelogen mind. alle 10 Minuten einem Polizeifahrzeug. Überall sind die – auf den Schnellstraßen, an Rastplätzen, an Tankstellen, … mir gibt das eher ein Gefühl von Sicherheit [ist ja nicht wie in Ägypten wo überall Straßensperren und Militär mit Maschinengewehren rumsteht was eher Unbehagen verbreitet], aber kann sich natürlich auch vorhalten, dass es scheinbar einen Grund für deren Präsenz haben muss …
Sonntag, 9. November 2014
Kapstadt
Mein Kreditkartenproblem wird mich wohl einiges kosten [50-100€ Gebühr], aber dafür soll ich Montag morgen direkt eine „Emergency Cash“ Auszahlung bei einer lokalen Bank bekommen. Dann werde ich zwar mit knapp 1000€ Bargeld durchs Land ziehen, aber glücklicherweise weiß das ja keiner…
Heute bin ich zum Tafelberg gefahren, um mit der Seilbahn hoch zu fahren und dann runter zu wandern. Doch leider war zu viel Wind und sie fuhr nicht. Also habe ich mich am Aufstieg über die Platteklip Gorge probiert. Doch ich hatte nicht genug Wasser mit und wollte meinen Körper nicht schon am 2. Tag ruinieren. Deshalb habe ich nach 400 Höhenmetern auf halber Strecke – nach einem gemütlichen Lese-Halt im Schatten – wieder kehrt gemacht. Die Aussicht über die Stadt war dennoch genial und es hat sich gelohnt.
Anschließend bin ich wieder zum Kirstenbosch Botanical Garden, da dort sonntags ja die Konzerte sind und ich nach der Anstrengung ein wenig entspannt lesen wollte. Doch wegen der prallen Sonne den ganzen Tag bin ich nicht bis zum Konzert geblieben, da es erst um 17:30 Uhr startet. Der riesige botanische Garten und seine Wanderwege im Umland sind dennoch ein „must see“.
Samstag, 8. November 2014
Kap
Wie üblich gings zum Sonnenaufgang aus den Federn. Schnell ein paar Lebensmittel eingekauft gings dann auch schon los. Geplant war das „Kap“ südlich von Kapstadt. Auf dem Weg musste ich aber noch einen Gastank für meinen Kocher kaufen, damit ich später „on the road“ auch mal was warmes habe, falls ich kein Restaurant finde. Damit fühle ich mich sicherer. Wie schon angedeutet: Autarkie ist mir immer sehr wichtig.
Auf der Route kam ich unerwartet am Kirstenbosch Botanical Garden vorbei, der eigentlich erst für morgen geplant war [weil sonntags dort Open Air Konzerte sind]. Doch weil das Wetter so fantastisch und der Park so schön war, bin ich kurzerhand rein ein wenig wandern. Toll!:) Das Navi war die genialste Anschaffung seit ewig – unverzichtbar fürs Auto und ebenso beim Wandern. Kein stundenlanges Wälzen und Suchen nach Karten – einfach Blick drauf werfen und spontan entscheiden, wo man lang gehen will. :)
Anschließend bin ich über den berühmten Chapman‘s Peak Drive Richtung Kap. Zuerst habe ich mir die Pinguin-Kolonie bei Boulders angeschaut und bin dann zu einer Wanderung [Sirkeslvei Lake] im Westen des Kaps. Dort war die Fynbos Landschaft [niedriges Buschwerk] zwar sehr interessant, aber das Wetter eher düster und windig. Aus Angst vor Regen bin ich dann auch frühzeitig zurück. Die Kap-Spitze ganz im Süden habe ich deshalb auch ausgelassen.
Der Tag bis dahin war ein wirklich schöner erster Tag – doch leider gab es am Ende doch noch eine Katastrophe: so ein Arschloch, der mir wohl die PIN für die Kreditkarte abluchsen wollte, hat es geschafft, dass meine Karte vom Apparat eingezogen wurde :/ Ich hatte vorher zwar noch 150€ abheben können, aber nun warte ich auf Nachricht von VISA, wie ich an eine neue Karte komme. Denn ohne Karte habe ich nur Geld für ein paar Tage und ich wollte Montag morgen die grosse Tour starten …. so ein Sch** wenn das jetzt nicht klappt.
Ich sag’s ja immer: wenn ich eines gelernt habe, dann „halte Dich von Menschen fern“.
… Obwohl ich auch ein mulmiges tierisches Zusammentreffen hatte. Auf der Wanderung am Kap bin ich einer Horde Affen [Baboons] begegnet, die dort fressend durch die Büsche zogen. Da ich vorher an mehreren Schildern „… dangerous animals … walk back slowly …“ vorbei gekommen bin, hatte ich etwas Respekt vor diesen mind. 6-8 Erwachsenen und ein paar Kleinen. Vorsichtshalber habe ich mich mit einem spitzen Stein bewaffnet, da ich leider nicht ausweichen konnte. Doch sie waren ganz friedlich.
Die Vielfalt der Tiere ist übrigens enorm – ich habe neben Affen auch Pinguine, eine Hasen-ähnliche Art, Riesenkäfer, Eidechsen, uvm getroffen.
Freitag, 7. November 2014
Anreise Südafrika
Eigentlich müßte ich ja inzwischen daran gewöhnt sein, aber so eine lange Reise ist immer wieder quälend. Diesmal waren es 40 Stunden wach sein, aber während mir das eigentlich kaum etwas ausmacht [und ein Jetlag verhindert], sind insgesamt 16 Stunden Eingesperrtsein in einem Flugzeug eine ziemliche Tortur.
Durchaus eine Herausforderung war es, danach noch den das Fahren im Linksverkehr nach Kapstadt rein mit einem Navi zu bewerkstelligen, welches ich versehentlich nicht auf Zielführung sondern „Route abfahren“ programmiert hatte und das mich somit von der Autobahn aus immer wieder zu einem Punkt am Flughafen bringen wollte. Rückwärts Einparken auf der linken Seite ist auch so ne Sache …
Nach dem Einchecken am Hostel war ich außerdem sehr froh, noch einen Supermarkt [Spar] und auch einen Geldautomaten gefunden zu haben, welcher mir glücklicherweise ein paar Rand ausspuckte, da ich nur 15€ mit nach Südafrika genommen hatte.
Der Anfang einer Reise ist immer sehr anstrengend und besorgniserregend, da etliches noch fehlt: kein Geld, keine Ahnung wo man was zu Essen bekommt, keine Ahnung wo man einkaufen kann, etc. Wirklich genießen kann ich erst, wenn ich mich einigermaßen „autark“ gemacht habe…
Durchaus eine Herausforderung war es, danach noch den das Fahren im Linksverkehr nach Kapstadt rein mit einem Navi zu bewerkstelligen, welches ich versehentlich nicht auf Zielführung sondern „Route abfahren“ programmiert hatte und das mich somit von der Autobahn aus immer wieder zu einem Punkt am Flughafen bringen wollte. Rückwärts Einparken auf der linken Seite ist auch so ne Sache …
Nach dem Einchecken am Hostel war ich außerdem sehr froh, noch einen Supermarkt [Spar] und auch einen Geldautomaten gefunden zu haben, welcher mir glücklicherweise ein paar Rand ausspuckte, da ich nur 15€ mit nach Südafrika genommen hatte.
Der Anfang einer Reise ist immer sehr anstrengend und besorgniserregend, da etliches noch fehlt: kein Geld, keine Ahnung wo man was zu Essen bekommt, keine Ahnung wo man einkaufen kann, etc. Wirklich genießen kann ich erst, wenn ich mich einigermaßen „autark“ gemacht habe…
Mittwoch, 20. November 2013
Familie in Baños
Mit der Familie habe ich hier wirklich Glück gehabt: Ich bin bei einem recht jungen Paar untergekommen, mit 3 erwachsenen Kindern (22-26), die noch bei den Eltern leben. Die Großeltern (und ich glaube die Urgroßeltern auch) leben im selben Komplex, quasi in Nebenhäusern. Sie sind wirklich super nett, herzlich und freudige Menschen. Einen Hund und eine Katze gibt’s auch.
Alle (außer die Haustiere) sind übrigens Zeugen Jehovas und es hat auch schon ein paar lebhafte Diskussionen zum Thema Bibel und Glauben gegeben. Sie sind dabei aber überhaupt nicht aufdringlich, sondern einfach Menschen, die fest an die Bibel und ihre Lehren glauben. Und sie richten ihr Leben an dieser Moral aus – was sie zu den herzlichen und offenen Menschen macht, die sie sind. Eine der Diskussionen zum Thema ob es intelligentes außerirdisches Leben gibt, endete übrigens mit meinem Vorschlag, das Gespräch in 30 Jahren fortzusetzen – dann mit einem Außerirdischen am Tisch (allgemeines Gelächter in der Runde) :)
Jeden Mittwoch gibt es auch eine Bibellesung mit der ganzen Familie. Ich habe beim letzten Mal auch teilgenommen und man bespricht eine Stunde lang ein Kapitel und interpretiert die Lehren und Aussagen für das eigene Leben. Außer, dass sie die Evolutionstheorie leugnen, kann ich daran auch nichts Schlechtes finden. Die Chemie in der Familie und zu Freunden und Fremden ist jedenfalls ein Vorbild.
Englisch kann in der Familie übrigens keiner. Das ist auch meine Erfahrung – außerhalb der Tourismus-Industrie sind Englisch-Kenntnisse kaum vorhanden.
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