Montag, 29. Oktober 2012

Resumé

Nun ist auch schon das Ende meiner Reise erreicht. Kaum zu glauben, dass schon 5 Monate um sind ... Wie schon vorher erwähnt, nach ein paar Wochen Pause ist die Wehmut groß, dass diese phantastischen Entdeckungstouren und Wanderungen in so toller Natur nun ein Ende haben. Ich vermisse vieles von dem was ich gesehen habe schon jetzt. Fürs nächste Mal dazu gelernt: 1-2 Monate reisen, dann 1-2 Wochen Pause (am besten bei Freunden), dann weiter scheint der perfekte Rhythmus zu sein.

Was ich alles gesehen habe und wie es war ist ja im Detail im Blog zu lesen. Besonders schön fand ich, dass ich über so lange Zeit die Wildblumenblüte erlebt habe. Das macht die Wiesen- und Berg-Wanderungen einmalig schön und macht viel aus. Später hatte ich dann das Glück, den Wald in seinen Herbstfarben zu sehen, was ebenfalls unbeschreiblich toll ist - der Kontrast von den vielen grünen Tannenflächen mit den grell-leuchtenden gelb-, rot-, und braun-Tönen dazwischen.

Vom Wetter her war es in Kanada und besonders Alaska durchwachsen und in den Bergen (besonders auf der Westseite und in Alaska) oft regnerisch - das ist wenn es länger anhält natürlich eine Katastrophe. Nicht nur lassen sich dann kaum Wanderungen machen, auch ist es fototechnisch fast unmöglich "schöne" Fotos zu machen. Es hat kurz auch seinen Reiz, aber für den Urlaub ist Sonne doch eindeutig zu bevorzugen. Die Temperaturen waren eig immer sehr angenehm - in hohen Berglagen allerdings nachts schon ziemlich kalt (auch im Sommer). Glücklicherweise hat aber die meiste Zeit die Sonne geschienen und ich würde sagen, dass ich insgesamt bestimmt 75% Sonnentage hatte.

Von der Vegetation war besonders deutlich der Unterschied zwischen West- und Ostseite der Berge zu sehen (besonders in den nördlichen USA): Westseite feucht/bewaldet und auf der anderen Seite innerhalb weniger Kilometer wüstenhaft trocken und steinig. Man kann sich gut an Gebieten auf Karten orientieren, die grün eingefärbt sind - dort fand ich es deutlich schöner, als in den Felsgebieten. Auch diese haben ihren Reiz (schließlich sind Hauptattraktionen des Südwesten dort zu finden wie Bryce, Arches, Canyonland, Grand Canyon, etc), aber Wald, Seen, Flüsse und Blumen sind auf Dauer doch irgendwie schöner. Naja die Mischung machts wohl ...

Schließlich möchte ich auch noch den finanziellen Aspekt der Reise etwas beleuchten für die, die vielleicht ähnliches vorhaben und ein wenig Orientierung gebrauchen können. Hier zunächst mal die Statistik, wieviel für was drauf gegangen ist (in Euro):

158      Mietwagen (1. Woche)
2877    Autokauf (Wertverlust, Reparaturen, Versicherung)
1493    Sprit
1475    Verpflegung
407      Unterkunft
740      Ausrüstung (Schlafen, Camping, Handwerk)
1070    Transportkosten (Flug, Fähre, Post)
302      Freizeit/Aktivitäten
488      Sonstiges (Telefon/Inet, Gebühren, Visum, Hausrateinlagerung, Krankenvers.)
9010    SUMME

Die Unterkunftskosten sind nur deshalb so niedrig, weil ich fast ausschließlich im Wagen übernachtet habe. Die Hälfte davon war für die erste Woche in Seattle und der Rest ist eig nur Kosten für Dusche und Wäschewaschen. Weitere Vorteile dieser Methode sind, dass kaum Zeit für die Suche nach einem freien Zimmer drauf geht (in der Hauptsaison sind viele Orte ausgebucht) und man bis zur letzten Minute entscheiden kann, wo man schläft - diese Felxibilität ist wirklich Gold wert und mit Vorausbuchungen wäre meine Reise völlig anders verlaufen. Selbst in einem Wagen mit niedriger Bodenfreiheit und ohne Allradantrieb war es in waldreichen Gebieten fast nie ein Problem, einen geeigneten Platz zu finden - im offenen Gelände aber schon.

Bei der Ausrüstung hätte man sogar noch etwas sparen können, wenn man ein paar Sachen wie Zelt/Schlafsack aus D mitbringt. Auch habe ich ein paar Fehlkäufe gemacht von Dingen, die ich dann doch nicht brauchte. Also bei guter Planung reichen wohl auch 500€. Besonders wichtig ist ein "Power-Inverter" zum Aufladen der Geräte über den Zigarettenanzünder, ein "Ice-Chest" zur Lebensmittel-Kühlung mit Eis und ein "Gas-Stove" zum Kochen mit Gas - außerdem ein Reifenreparatur-Kit und Kompressor für jeweils 15-20$.

Der Flug hat 748€ gekostet und der Rest waren hauptsächlich Fähreverbindungen und ein paar Euro für Postsendungen nach D.

Die Verpflegung ist ohne Restaurantbesuche zustande gekommen. Allerdings war ich auch häufiger Mal bei Fast Food Ketten wie Burger King oder A&W. Auch konnte ich auf einige geliebte Markenprodukte wie Nutella, Corn Flakes, "deutsches" Brot nicht verzichten. Ebenfalls hatte ich immer gekühlte Milch dabei, welche an sich fernab der Großstädte recht teuer ist und Eis zum Kühlen braucht. Allein die Eiskosten dürften 100-150€ ausmachen. Rabattkarten für Supermärkte wie Safeway machen hier übrigens wirklich Sinn, weil man im Schnitt gut 10-20% damit sparen kann.

An Extra-Freizeitaktivitäten habe ich nicht viel unternommen. Wandern ist ja kostenlos :) Natürlich nur, wenn man die Jahreskarten für die Nationalparks kauft. Die kosten nur 80$ für USA und 68$ für Kanada und man hat praktisch keine weiteren Kosten. Wenn man natürlich geführte Touren o.ä. macht, dürfte dieser Posten ganz schnell ein Vielfaches erreichen.

Telefon und Internet kosten so gut wie gar nichts mehr. Offenes WiFi gibt es in jedem Kaff. Gute und sichere Anlaufstellen für freies Inet sind McDonalds, Safeway, Büchereien, KOA Campgrounds. Ansonsten einfach an die Hauptstraße stellen und durchklicken - eig ist immer ein WiFi ohne Passwort dabei .... Münztelefone sind allerdings auch in den USA inzwischen rar. Wenn man sucht findet man meist eines aber das ist nicht selbstverständlich und oft sind die Dinger ziemlich versteckt.

Meine Krankenversicherung war mit 145€ extrem günstig (zumindest für Nordamerika). Die meisten bewegen sich so um 200-400€ für die Zeit. Außerhalb von Nordamerika ist sie allerdings nie teurer als 30€ pro Monat. Hängt auch vom Alter ab. Unter 30 ist spottbillig und ab 50/60 wird sie hingegen sauteuer. Wer sich mit über 60 in USA absichern will zahlt hunderte von € im Monat!

Die Spritkosten waren für die gefahrene Strecke von 30.000km phänomenal gering. Das ging aber nur, weil ich einen extrem sparsamen Wagen (Herstellerangabe 6,7 l) auch noch extrem sparsam gefahren bin und auf einen Verbrauch von nur 5,4 l gekommen bin. Es wären sogar unter 5 machbar gewesen (Rekord war 4,2l). Dazu muss man allerdings den Motor beim Berg runterrollen ausschalten (was angesichts von Servolenkung und Bremskraftverstärker nicht ohne Tücken ist ....) und darf nicht schneller als 50 Meilen (ca. 80km/h) fahren.

Die Spritpreise liegen in Kanada etwa zwischen 1,00€ und 1,20€ pro Liter. In den USA ist es mit 0,75-0,95€ deutlich günstiger (hier unten in Texas kostet es sogar nur 0,70€). [bei $-Kurs 1,25]

Die Kosten für das Auto sind etwa 450€ für Versicherung, 435€ für Instandhaltung/Reparaturen, 1825€ Wertverlust und der Rest Parkgebühren u.ä.  Beim Wertverlust ist zu berücksichtigen, dass ich von einem Händler gekauft habe, was sicher einen Aufschlag von gut 10% im Kaufpreis ausmacht. Auch habe ich ihn an einen Freund wieder verkauft und damit ca. 5-10% unter Marktwert. Ferner hatte ich großes Pech mit dem Wechselkurs - beim Kauf lag der Kurs rechnerisch bei 1,185 (durch Banktransfergebühren) und beim Verkauf bei 1,33. Das macht allein 400-500€ Verlust. Mit etwas mehr Glück und Geschick wäre man hier auch mit 1000€ Wertverlust ausgekommen ... trotzdem will ich mich nicht beschweren, denn der Wagen hat trotz seiner viertel Millionen Kilometer praktisch keinerlei Probleme gemacht.

Was die Frage nach Auto mieten oder kaufen angeht hat sich für mich daher folgendes herausgestellt: Mit einem Mietwagen hätte ich sehr viele der Touren nicht machen können, da viele Gebiete und Schotterstraßen vertraglich ausgeschlossen sind. Auch Beschädigungen wie etliche Lackkratzer, Steinschläge, Reifenschäden etc. wären mir nachträglich teuer in Rechnug gestellt worden. Eine Wagenklasse, in der ich auch schlafen kann, hätte die Auswahl stark eingeschränkt und ich hätte wohl kaum günstig einen Wagen mit einem so niedrigen Spritverbrauch bekommen. Hätte ich einen SUV oder Van gemietet, hätte ich 1000-2000€ mehr für Sprit zahlen müssen....

Fährt man nur auf Asphalt und schläft in Motels, so ist es günstiger einen Wagen zu mieten, auch für 2, 3 oder evtl. sogar 4 Monate. Möchte man wie ich in abgelegene Gebiete und im Wagen schlafen, kommt man um einen Kauf kaum herum, selbst für nur 2 oder 3 Monate. Allerdings stelle ich es mir schwer vor einen Wagen nach 2 Monaten wieder zu verkaufen - wer kauft den nach so kurzer Haltezeit ? ....

Also, ich hoffe, ich konnte ein wenig Orientierung geben und bin beim nächsten Mal selber noch ein wenig schlauer. Denn dass dies mein letztes Abenteuer war, will ich nicht glauben ;) Doch wird es dann vermutlich nicht mehr allein sein.

Nun geht  es wieder einmal an den Wiederaufbau: Wohnung suchen, Klamotten kaufen, Freunde treffen, ... und irgendwann dann auch wieder arbeiten.

Vielen Dank an alle fleißigen Leser und Kommentarschreiber - es war immer schön, unterwegs eine Nachricht oder Grüße von daheim zu lesen!

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