Dienstag, 5. November 2013

Leute

































Die Leute in Ecuador sind sehr freundlich. Sei es meine herzliche Gastfamilie, meine geduldige Spanisch-Lehrerin, oder Bedienungen; bisher waren alle sehr zuvorkommend. Besonders von der Spanisch-Lehrerin und der Familie erfahre ich auch eine ganze Menge über das soziale Leben.

Als meine Lehrerin jung war, gab es in ihrem Dorf noch keinen Strom. Sie fährt jeden Tag jeweils 1,5h hin und zurück zur Arbeit. Es ist normal, dass Kinder ihre Eltern siezen, erst neuerdings gerät das aus der Mode. In der Schule tragen alle Schüler eine Uniform, damit die sozialen Unterschiede nicht erkennbar sind.

Letzte Woche gab eine Feier (Día de los Muertos – Tag der Toten), in der weite Teile der Familie zusammenkommen; es wird gebacken, gegessen und erzählt. Bei uns waren bestimmt ein Dutzend Gäste. Die Eingeborenen feiern dieses Fest oft auf dem Friedhof und essen dort zusammen mit den Verstorbenen.

Seit ein paar Tagen geht es der Mutter meiner Gastmutter immer schlechter, die seit 9 Tagen im Krankenhaus liegt. Es sieht so aus als wenn sie in den nächsten Tagen sterben wird. Verständlicherweise ist die Familie daher oft sehr traurig. Es kommen manchmal Verwandte und man weint zusammen im privaten, dennoch sind alle anschließend wieder fröhlich in der "Öffentlichkeit". Es sind, scheint mir, emontionalere Menschen als wir. Bemerkenswert ist zudem der Umgang mit dem Tod. Da es der 87jährigen immer schlechter geht, werden sich alle Familienmitglieder morgen treffen und wohl entscheiden, ob sie die Geräte abstellen lassen. Ein solches humanes Vorgehen, über welches bei uns jahre- und wohl jahrzehntelang diskutiert und unter Strafe gestellt wird, scheint hier ganz selbstverständlich.
 

Montag, 4. November 2013

Ausflüge um Quito























Am Wochenende habe ich 2 Ausflüge gemacht – am Samstag auf den „Hausberg“ von Quito und am Sonntag zu einem Kratersee nach Quilotoa. Beides sehr extrem anstrengend.

Zum Hausberg fährt eine Seilbahn (Teleférico) auf ca. 4100m von wo aus man auf einem anfangs mäßig später sehr steilen Weg bis zum Gipfel auf ca. 4700m wandern kann. Ich habe den Aufstieg versucht und musste erst nur 50m unter dem Gipfel abbrechen. Allein dahin zu kommen war höllisch schwer. In dieser Höhe fehlen bereits 45% von Druck und Sauerstoff, es dürften dort etwa 550 hPa herrschen. Jeder Höhenmeter muss erkämpft werden und mehr als 3-5 Höhenmeter am Stück schafft man gar nicht, dann ist wieder Luftholen angesagt.

Die Sicht war OK, wenig Wolken aber recht diesig. Trotzdem konnte man einen Eindruck von oben auf das Hochtal bekommen und die dichte Bebauung bestaunen, in der etwa 2,5 Mio Menschen leben.
Und mit dieser Tour habe ich nach dem Mauna Kea (Hawaii, 4200m) hier einen neuen Höhenrekord mit 4650m aufgestellt. Man kann auch Touren auf den Chimborazo buchen und auf 5900m klettern. Aber nach meinen Erfahrungen im 4000er Bereich muss das echt nicht sein.

Am Sonntag ging es zum Kratersee Quilutoa. Schon die Hinfahrt dauerte 3,5h, durch einen Stau auf dem Rückweg waren es dann insgesamt gut 8h Fahrtzeit für knapp 2h wandern. Grausam. Den See selber fand ich auch wenig bis gar nicht spektakulär. War halt ein See in karger Landschaft.

Das ist auch insgesamt mein Eindruck bisher: Die Landschaft in diesem Teil der Anden ist recht karg und trocken. Nicht wüstenartig aber eben auch so gut wie gar nicht „frisch“. Wenig Wald, trockenes grün-braun. Wenig variationsreich. Weiter südlich (Peru etc) soll es noch trockener sein, in Kolumbien hingegen deutlich waldreicher. Das deckt sich auch mit Satellitenbildern von Südamerika.

Natürlich habe ich bisher erst einen winzigen Teil des Landes gesehen – Costa und Oriente kenne ich noch gar nicht. Dennoch bin ich bisher wenig begeistert – wenn ich an meine Erfahrungen in Australien und besonders in Nordamerika zurückdenke, war dort das landschaftliche Paradies.

Die letzten 1,5 Wochen werde ich in Baños verbringen, etwa 100km weiter südlich. Von dort kann man Ausflüge in den Regenwald im Oriente machen. Mal schauen, ob mir das besser gefällt. Doch schon jetzt bezweifle ich, dass ich im Januar nach Ecuador zurückkehre, sondern wahrscheinlich eher nach Costa Rica.
 

Freitag, 1. November 2013

Sprachliche Fortschritte






























Die erste Woche Unterricht ist nun vorüber und die Dinge haben sich schon deutlich gebessert. Nach etwa 4-5 Tagen bin ich nun erstmals wirklich hier angekommen. Während ich die ersten 3-4 Tage praktisch nur in der Schule und im Bett verbracht habe, ist inzwischen alles nicht mehr so fremd und auch die Abgeschlagenheit ist verschwunden. Nun kann ich nachmittags auch mal ein wenig spazieren gehen in der Stadt und freue mich auf die Wochenendaktivitäten.

Mit der Sprache klappt es auch schon viel besser. Meine Sprechfähigkeit ist zwar noch immer miserabel aber Konversationen kann ich inzwischen gut folgen. Nachdem ich nun nicht mehr alles übersetzen muss, sondern dem Inhalt direkt im Spanischen folgen kann, ist es auch wesentlich weniger anstrengend. Spanisch wird langsam „normal“ für mich.

Dennoch werde ich meine Pläne nach jetzigem Stand ändern und die vollen 3 ½ Wochen in Quito in der Sprachschule bleiben. Die Sprache hat absolute Priorität – da muss ich Erkundungen und Rundreisen erstmal zurückstellen. Ich fühle mich einfach nicht wohl in einem Land zu reisen, dessen Sprache ich nicht fließend spreche.
 

Dienstag, 29. Oktober 2013

Spanischschule in Quito













Es sind nun 2 Tage um seit ich in Quito ankam – und es waren mit die anstrengendsten meines Lebens. Es kommt einfach so viel zusammen: die Reise mit über 15 Stunden Flug und Ankunft gegen Mitternacht tut schon mal einen Teil, dann die neue Umgebung in einem fremden Haus, die Stadt mit ihrem Trubel (ihr wisst ja vielleicht, dass ich Städte jeglicher Art eigentlich hasse), viele neue Leute und Begegnungen (soziale Kontakte kosten mich auch immer viel Kraft) und dann noch die Schwierigkeiten mit der Sprache. Wenn mir jemand eine Umgebung kreieren sollte, in der ich mich am unwohlsten fühlte, käme dies dem maximal möglichen schon recht nahe. Es ist unglaublich anstrengend und der erste Tag brachte mich schon fast zur Verzweiflung.

Aber da muss ich durch, wenn ich mir Spanisch erarbeiten will. Anders geht es nicht. Wenn mir diese Tage eines gelehrt haben, dann dass man eine Sprache nicht theoretisch lernen kann. Eigentlich läuft es sogar ganz gut, alle sagen dass ich wirklich gut spreche, aber leider bin ich Perfektionist (was mir im Leben schon viele Probleme verursacht hat – kaum ein Charakterzug macht unglücklicher als dieser). Dazu kommt noch, dass ich zusammen mit einem anderen Deutschen wohne, der schon deutlich besser spricht, was es für mich noch schwerer macht.

Dennoch, wie meine Lehrerin sagt, was ich durchmache sei völlig normal für die ersten Tage oder sogar Wochen. Dafür dass ich vorher nie wirklich spanisch gesprochen oder auch nur gehört habe, läuft es eigentlich recht gut. Wir unterhalten uns inzwischen sowohl im Präsens als auch in einer der Vergangenheiten (Indefinido). Aber es erfordert höchste Konzentration über Stunden hinweg.

Gestern war ich ein wenig in Quito spazieren. Auffällig ist, dass es einigermaßen hügelig ist – nicht ganz einfach wenn man auf 2800m über Meereshöhe einen längeren Anstieg hinlegen muss. Ferner ist es nicht wirklich sauber – zwar auch nicht total verdreckt, aber obwohl ich in einem recht guten und neuen Viertel lebe (barrio florestal) ist es für deutsche Verhältnisse schon etwas heruntergekommen. Und dann ist da der Verkehr: wenn es richtig voll wird auf den Straßen (habe aber noch keinen Stau gesehen) haben es Fußgänger schwer: Autos haben hier grundsätzlich immer und bedingungslos Vorfahrt! Es gibt zwar Zebrastreifen (allerdings kaum Ampeln), doch wird niemals ein Auto anhalten. Als ich vor einem Polizeiauto einen Zebrastreifen überquerte als dieses stand und gerade wieder anfahren wollte, wurde ich angehupt – von der Polizei! Hinzu kommen die Abgase - es sind weißgott keine chinesischen Verhältnisse, aber wenn man die Straßen entlang geht bekommt man besonders von den Bussen und Kleinlastern gefühlt ein paar Kilo Kohlenstoff in Staubform ab. Rußfilter gibt's hier sicher nicht.

Gestern und heute morgen war das Wetter übrigens sehr schön. Wie in den Büchern beschrieben milde 20-25 Grad. Heute nachmittag regnet es mal des öfteren – aber der November ist ja auch einer der regenreichsten Monate. Wenn es regnet, dann meist in Schüben, aber es regnet sich nicht so ein wie bei uns manchmal.

Die Sprachschule ist recht klein – nur ca. 10 Schüler – und bietet ab und an ein Nachmittagsprogramm. Heute war ich eine Stunde mit 3 weiteren Schülern in einer Salsa-Schule :-) Überraschenderweise habe ich mich gar nicht so dämlich angestellt und konnte sogar ziemlich gut tanzen. Das hat durchaus Spaß gemacht – ich hatte mit der Carolin aus Italien auch eine attraktive Tanzpartnerin ;)
 
Am Donnerstag geht es auf eine Fahrt zum Meerschweinchen essen und am Wochenende soll es eine Wanderung geben. Besonders über letztere würde ich mich natürlich sehr freuen.

Also: irgendwie ist es zum Verzweifeln aber da werd ich mich durchkämpfen. Gestern habe ich aber echt gedacht „Das kannst Du Dir wohl abschminken mit einer Reise durch Süd- und Mittelamerika“.
Es ist deutlich angenehmer eine Sprache zu können als sie zu lernen (Jens‘ Weisheiten Nr. 736).
 

Donnerstag, 15. August 2013

Südamerika

Die nächste Reise wird mich nach Südamerika führen. In vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes: eine neue Sprache, ein anderer Kulturkreis im Vergleich zu allen früheren Reisen, und nicht zuletzt ein anderer Zeitrahmen. Diesmal habe ich mehrere Jahre Zeit! Auch möchte ich diesmal versuchen, die Reisegeschwindigkeit deutlich zu senken und Ausschau nach Orten zu halten, an denen ein Verweilen lohnt.
Ende Oktober beginnt eine einmonatige "Vorerkundungsreise" nach Ecuador bevor es dann im Januar wohl endgültig dorthin geht. Aus theoretischer Beschäftigung mit Süd- und Mittelamerika erscheinen mir Ecuador, Costa Rica, Panama, Belize, Paraguay, Peru, Bolivien, Argentinien, Chile und Kolumbien als lohnenswerte Ziele. Doch eine vorgefertigte Route soll es diesmal nicht geben. Ich möchte mir den Verlauf noch offener halten, als bei meinen früheren Reisen.
Ich bin sehr gespannt wie es wird, da ich in Gegenden vorstossen werde, die mir völlig fremd sind. Deswegen schwingt auch eine gehörige Portion Mulmigkeit und Unsicherheit mit. Doch weiß ich, dass ich ein riesen Glück habe, ein Leben zu führen, in dem so eine Unternehmung möglich ist. Es nicht zu wagen, wäre mir selber gegenüber unverzeilich.















Samstag, 24. November 2012

Wer hat Lust auf eine gemeinsame Reise ?

Ich hätte Lust meine nächste längere Reise nicht mehr alleine anzutreten. Wer also Lust auf ein gemeinsames Abenteuer und Entdecken hat, kann sich gerne hier per Kommentar mal melden. So kann man sich im Vorhinein schon mal kennenlernen und zusammen ein spannendes Ziel auswählen sowie die Reise planen. Dabei ist erstmal alles offen: Ziel, Dauer, Route, Termin, ... solange Natur, sportliche Aktivität (Wandern) und individuelle Reisegestaltung im Mittelpunkt stehen. Ich kann mir Südamerika oder auch Afrika gut vorstellen, aber es gibt so viele schöne Ecken, da findet sich bestimmt was Passendes ;)
Freue mich auf Nachrichten - bevorzugt natürlich aus Düsseldorf und Umgebung :)
 

Donnerstag, 1. November 2012

Route Nordamerika

Kanada:




























  0: Abreise, Seattle, Auto & Ausrüstung
  1: Vancouver Island (Ankunft, Southwest, Pacific Rim NP, Strathcona Park, Abreise)
  2: Nördlich von Vancouver
  3: Duffy Lake Road
  4: Wells Gray PP
  5: Mt. Robson PP
  6: Jasper NP (Um Jasper, Maligne Road)
  7: Yellowhead Highway
  8: Richtung Prince Rupert
  9: Stewart / Hyder
10: Cassiar Highway
11: Alaska Highway (Watson Lake - Whitehorse)
12: Klondike Highway (Süd)
13: Dalton Trail
14: Kluane NP
15: Alaska Border
16: Dalton Highway zum Polarkreis
17: Denali Highway
18: Denali NP
19: Kenai Halbinsel
20: Anchorage
21: Glenn Highway
22: Valdez / Prince William Sound
23: Taylor Highway
24: Top of the World Hwy / Dawson City / Klondike Hwy
25: Campbell Highway
26: Alaska Highway (Watson Lake - Fort Nelson)
27: Alaska Highway (Fort Nelson - Dawson Creek)
28: Willmore Wilderness Park / Berge, Wetter, Flut und warten
29: Jasper NP (Um Jasper, Icefields Parkway)
30: Abraham Lake
31: Banff NP (Icefields Parkway, Lake Louise, Um Banff) / Yoho NP (Teil 1, Teil 2)
32: Mt. Revelstoke NP / Glacier NP
33: Kootenay NP
34: Calgary
35: Kananaskis Country
36: Waterton Lakes NP

USA:



  0: Halbzeit
  1: Glacier NP
  2: Nach Westen
  3: North Cascades NP
  4: Olympic NP
  5: Mt. Rainier NP
  6: Mt. St. Helens
  7: Crater Lake NP
  8: Nach Osten
  9: Craters of the Moon
10: Yellowstone NP
11: Grand Teton NP / Weiter nach Osten
12: Black Hills (Mt. Rushmore) / Wind Cave NP
13: Badlands NP
14: Rocky Mountain NP
15: Top of the Rockies
16: Gunnison NP / Curecanti NRA
17: Great Sand Dunes NP
18: Mesa Verde NP
19: Monument Valley
20: Canyonlands NP
21: Arches NP
22: Bryce Canyon NP
23: Zion NP
24: Grand Canyon NP (North Rim)
25: The Wave (Coyote Buttes North)
26: Petrified Forest NP
27: Beim Scott
28: Beim Dang
xx: Resumé

Ich habe mal Links zu den bisherigen Highlights zusammengestellt:
Sandstein-Eldorado: Canyonlands NP, Arches NP, Bryce Canyon NPZion NP (27.9.-2.10.12)
Hier nicht aufgeführte Gebiete sind nicht unbedingt schlecht - wie soll man zwischen wunderschön und besonders schön unterscheiden ?! Nahezu überall wo ich war, war es wirklich toll!!